### Lehrprofil
In der Lehre versuche ich, Ethik als eine empirisch-soziologisch informierte Reflexion menschlicher Verhaltensweisen und Handlungen, und deren strukturelle Bedingungen, zu unterrichten. Auf dieser allgemeinen Grundlage können die ethisch-religiösen Interventionsangebote des christlichen Glaubens und ihrer Theologien kritisch reflektiert werden.
### Forschungsinteressen
In meinem Dissertationsprojekt untersuche ich exemplarisch, wie Theologen und Philosophen mit der ethischen Herausforderung umgehen, die zwischen unseren Glaubensüberzeugungen und der Kontingenz der Geschichte besteht. Während der deutsche Theologe, Philosoph, Soziologe und Politiker *Ernst Troeltsch* (1865-1923) angesichts des in den Wissenschaften aufkommenden historischen Relativismus einen für die europäische Kultur katastrophalen Geltungsverlust der christlichen Religion befürchtet, praktiziert der Schweizer Pfarrer und Theologe _Karl Barth_ (1886-1968) seine Konzentration auf eine „kirchliche“ Theologie als pragmatische Lösung der von Troeltsch denunzierten „Anarchie der Werte“. Mit der wissenssoziologischen Dekonstruktion der Philosophiegeschichte – des amerikanischen Philosophen und vergleichenden Literaturwissenschaftlers _Richard Rorty_ (1931-2007) – ergänze ich die historisch-relativistische Prämisse von Ernst Troeltsch. Aus der Perspektive eines in dieser Weise radikalisierten Relativismus, interpretiere ich den Theologie-Typ Karl Barths als pragmatischen Ironismus – d. h. als ethische „Selbstschöpfung“ (Troeltsch 1922) einer „kirchlichen“ Dogmatik. Dadurch verbinden sich in Barths Dogmatik-Lehrbüchern literarisch-kreative und akademisch-wissenschaftliche Elemente zu einer schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts für akademisches Schreiben untypischen schöpferisch-kunstvollen Art, zu _theologisieren_.
Darüber hinaus interessiere ich mich für empirisch-psychologische Rationalitätstheorien und kulturanthropologische Theorien kultureller Koevolution. Diese werfen Fragen auf, die m. E. rein philosophisch informierte fundamentaltheologische Theorien – wie bspw. Karl Barths Kirchliche Dogmatik – nicht mehr ausreichend glaubwürdig zu beantworten vermögen. Ebenso frage ich danach, ob die akademische Theologie (sc. das Fach „Systematische Theologie“) mit ihrer metatheoretisch-wissenschaftlichen Methodik, einen eng auf den universitären Kontext begrenzten Theologiebegriff festschreibt, der einen literaturwissenschaftlich-wissenssoziologischen Blick auf „Theologien“ in diversen Formen und Medien verstellt, der als wissenschaftliche Unternehmung zeitgemäßer wäre. Eine solche literaturwissenschaftliche Theologie würde nichtakademische theologische Literatur (Sachbücher, Essays, Romane und Kurzgeschichten) nicht nur begrüßen, sondern geradezu fördern – so meine These. „Theologische Literatur“ würde von der Theologiewissenschaft so nicht mehr bloß als eine Sondergattung des Sachbuch-Genres verstanden, die fast ausschließlich von Theologie-Professoren und -Professorinnen bei wissenschaftlichen Zuschussverlagen publiziert wird, sondern würde als ein Sammelbegriff für publizierte Texte aller Art verwendet, die von Glaubensüberzeugungen handeln.